Ein Betonwürfel, Kantenlänge 10 cm, eingelassen ins Straßenpflaster und bedeckt von einer Messingplatte mit Schriftzügen, die stets mit „HIER WOHNTE“ beginnen und die (eruierbaren) Lebensdaten der Person enthalten, die in dem Haus dahinter ihren letzten Wohnsitz hatte, bevor sie von den Nazis – ihrer jüdischen Abkunft wegen oder als „Systemfeind“ – verhaftet, interniert, deportiert und in den meisten Fällen ermordet wurde. In 1265 Kommunen europaweit wurden von Gunter Demnig inzwischen solche „Stolpersteine“ verlegt; sie bilden das größte dezentrale Mahnmal überhaupt. Jeder Verlegung vorangegangen sind intensive Recherchen engangierter Bürger*innen, sehr oft Schüler*innen, vor Ort, die außerdem die Kosten für und die Patenschaft über ‚ihre‘ Steine übernommen haben.

Seit das Bündnis für Courage die „Aktion Stolpersteine“ 2009 nach Gladbeck geholt hat, ist auch das Riesener-Gymnasium dabei: Dreizehn Steine wurde mittlerweile von Klassen und Kursen unserer Schule verlegt. Auch am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, waren wir wieder dabei.

Nachdem sich die Klasse 8c im Geschichtsunterricht sehr intensiv mit jüdischer Geschichte befasst hatte, recherchierte sie das Schicksal der Familien Perl und Cahn sowie von Albert Neumann, deren Leidensweg in Gladbeck seinen Anfang nahm. Der aus Schüler*innen aller drei hiesigen Gymnasien bestehende Q2-LK Geschichte widmete sich den seinerzeit in der Horster Straße 2 und 19 ansässigen jüdischen Familien. Wie auch an anderen Orten wurden die Steine erst gereinigt, darauf biografische Angaben zu den Opfern, Erinnerungen von Verwandten sowie Lieder oder Gedichte vorgetragen und schließlich dann, nach einer Gedenkminute, weiße Rosen niedergelegt.

Denn: Erst wenn der Name eines Menschen vergessen ist, ist er ganz und gar vergessen. Und das soll nicht geschehen.