Zwei Geschichtsstunden der etwas anderen Art

Zur Eröffnung der diesjährigen Mehrgenerationenwoche las Erfolgsautor Titus Müller (rechts) aus „Der Tag X“, seinem Roman über den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953.

Den Hintergrund für die Romane von Titus Müller bilden meist spektakuläre historische Ereignisse, im Vordergrund aber stehen immer lebensnah gezeichnete Figuren, die sich in diesen Ereignissen bewähren und oft auch schwierige Entscheidungen treffen müssen. In „Der Tag X“, Müllers umfangreichem Werk über den Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953, sind das die Abiturientin Nelly, die als Mitglied der Jungen Gemeinde die Schule verlassen muss, der junge Uhrmacher Wolf, der aus Liebe zu ihr seine Existenz riskiert, und der sowjetische Spion Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt.

Die gemeinsam mit dem Verein „Sport für bewegte Bürger“ und dem Kulturamt für Schülerinnen und Schüler des Riesener-Gymnasiums sowie ältere Vereinsmitglieder am 4. Oktober ausgerichtete Veranstaltung wurde weit mehr als eine Lesung, da der Schriftsteller, der selber 1979 in Leipzig geboren wurde, die Romanauszüge in freie, überaus lebendig dargebotene Paraphrasen einbettete, die gleichwohl ein stimmiges Bild jener historischen Zusammenhänge zeichneten, welche den ebenso hoffnungsvollen wie letztlich hoffnungslosen Aufstand gegen das SED-Regime heraufbeschworen. Viele der älteren Gäste erinnerten sich daran, wie sie selber die dramatischen Ereignisse des Jahres 1953 wahrgenommen haben, und einige junge Zuhörer nutzten im Anschluss noch die Gelegenheit, mit dem Autor ins Gespräch zu kommen.

Benötigte weder Stuhl noch Tisch: Titus Müller bei seiner Tour de Force durch die deutsche Zeitgeschichte