Von Kinderarbeit und GlaBotKi


WAZ 15.06.2007

Viel Jubel und Geschrei der 9. Klassen am Riesener-Gymnasium. Und die Freude ist berechtigt: Denn das Warten hat ein Ende – die Sieger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten stehen endlich fest: 63 Schülerarbeiten zeichnete die Landesjury mit einem Landessieg und 83 Beiträge mit einem Förderpreis aus.

 

Protest gegen GlaBotKi vor dem Gladbecker Rathaus – den Widerstand gegen den Städtezusammenschluss untersuchten die Riesener-Gymnasiasten
Foto: Archiv

Umso erfreulicher war es, dass das Riesener-Gymnasium in Gladbeck beide Preise gewann. Mit dem Thema: „Kinderarbeit im Gladbecker Raum“ bewarben sich sieben Schülerinnen in diesem Jahr. Sie recherchierten, wie Kinder in den 40er und 50er Jahren zu ihrem Lebensunterhalt beitrugen, verglichen es mit den heutigen Statistiken und erstellten einen Fragenkatalog, um Personen verschiedener Generationen zu befragen.

Sie fanden Schockierendes heraus: Kinder arbeiteten in der damaligen Zeit nicht nur als Dienstboten, sondern wurden in der Textilindustrie und vor allem in Kohlegruben eingesetzt – und das bis zu 16 Stunden täglich. Sie litten unter hohen Gesundheitsrisiken und hatten nur eine geringe Schulbildung. Unvorstellbar für die meisten heutigen Kinder, die manchmal schon bei sechs Stunden Schule am Tag genervt sind.

“Die Schüler hatten viele Ideen zu dem Thema, an denen sie dann in ihrer Freizeit selbstständig arbeiteten. Ich musste nur noch drüberlesen“, sagt Geschichtslehrer und Tutor Jörg Judersleben stolz. Und die Arbeit hat sich gelohnt: Die Landessieger erhalten ein Preisgeld in Höhe von 250 Euro und haben noch die Chance auf einen Bundessieg.

Nicht weniger interessant war das Thema der vier Schüler der 9. Klasse, die mit dem Förderpreis ausgezeichnet wurden und einen zentralen Abschnitt der Stadthistorie untersuchten: die GlaBotKi-Geschichte. So erforschten sie die geplante und schließlich doch noch abgewendete Vereinigung Gladbecks mit Bottrop. Und dabei ging es ihnen vor allem um den massiven Widerstand der Gladbecker gegen den Zusammenschluss.

“Wir konnten durch diese Aktion einen intensiven Dialog zwischen den Generationen anregen. Und das ist doch die Hauptsache!“, freut sich Sven Tetzlaff, der Projektleiter beim Wettbewerb. Protest gegen GlaBotKi vor dem Gladbecker Rathaus – den Widerstand gegen den Städtezusammenschluss untersuchten die Riesener-Gymnasiasten.

Von Sarah Schlegel