Therapeuten

Therapeuten auf vier Pfoten

WAZ ZEUS-Sonderausgabe 26.06.2010

Wer an einen Therapeuten denkt, hat eine ganz gewisse Vorstellung. Aber wie wäre es, während der Therapie in sanftmütige große braune Augen zu schauen? Dürfen wir vorstellen: Mathilda und Nelly, die Sprachtherapeuten auf vier Pfoten.  Therapeuten

Die beiden erleichtern die Therapiesitzungen für Kinder und Erwachsene. Nehmen wir zum Beispiel die Sprachbehinderungen bei Kindern oder Erwachsenen. Stundenlange, langweilige Übungen, die am Ende eh nichts bringen. Schlimm, oder? Dabei haben diese Menschen schon genug Probleme, da sie von der Gemeinschaft oft ausgeschlossen werden, sich nicht integrieren können, oder gar gemobbt werden. Aber gerade in solchen Fällen können Sprachtherapeuten wie Deborah Perry-Rink und ihre vierbeinigen Unterstützer helfen.
Deborah Perry-Rink macht diesen Job mit Leidenschaft – seit zehn Jahren. Aber sie ist eben nicht alleine. An ihrer Seite sind ihre beiden Golden Retriever-Damen Nelly (4) und Mathilda (3). „Die Erziehung hat bei den beiden Hunden schon im Welpenalter angefangen, damit aus ihnen Therapiehunde werden,“ so Deborah Perry-Rink. Die Hunde müssen sanftmütig und lernfähig sein, damit sie ihr bei der Therapie mit sprachbehinderten Menschen, die beispielsweise stottern oder Probleme mit der Aussprache mancher Buchstaben haben, helfen können.
Einige der Aufgaben der Hunde bestehen darin, dass sie auf Buchstaben zeigen, wenn der Patient diesen laut sagt. Sie sollen außerdem Ruhe ausstrahlen oder einfach einen Gegenstand bringen. „Es gibt nichts Schöneres, wenn ein Kind, das nicht sprechen kann plötzlich den Namen des Hundes ruft“, sagt Deborah Perry-Rink begeistert. Diese Erfolge geben ihr das Gefühl, dass sie alles richtig macht und sich die Arbeit mit den Hunden lohnt.
Damit die Hunde ihre Aufgaben beherrschen, müssen sie nach der Hundeschule noch ein spezielles Training durchlaufen. Es dauert etwa zweieinhalb Jahre und wird bei der Pfotenakademie absolviert. „Dieses Training ist aber auch extrem kostspielig – pro Wochenende werden 360 Euro fällig“, erzählt Deborah Perry-Rink. Mit der zweieinhalbjährigen Ausbildung allein ist es für die Hunde aber nicht vorbei, sie müssen alle zwei Wochen üben.
Das zahlt sich aber aus, denn die Erfolge sind groß. Die Hunde werden auch in Pflegeheimen und Altersheimen eingesetzt. Außerdem macht Deborah Perry-Rink auch Hausbesuche.
Allerdings gibt es auch Krankheitsbilder, bei denen die Hunde nicht eingesetzt werden können. So machen die Hunde bei Schluckstörungssitzungen eine Pause, da sie hier nicht helfen können. Natürlich findet die Therapie auch ohne die Hunde statt, wenn ein Patient nicht möchte, dass die Hunde dabei sind. „Die Hunde werden nie länger als 15 Minuten eingesetzt, um sie zu schonen“, erläutert Perry-Rink, „denn das Wohlergehen der Tiere steht an oberster Stelle.“
Viele denken, dass derartige Therapien sehr teuer sind und man sich diese nicht leisten kann. Aber wenn der Arzt eine solche Therapie verordnet, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Weitere Informationen gibt es unter: www.sprachtherapie-perry.de.

Timothy Imort und Alexander Neul, Klasse 8c, Riesener-Gymnasium Gladbeck