Theater? Kaffeehaus? – Verboten!

WAZ 04.09.2007

THEMA 100 JAHRE RIESENER-GYMNASIUM

 

Das Riesener-Gymnasium wird 100 Jahre alt.Wenn das kein Grund für eine Festwoche ist!

Foto: WAZ, Thomas Schild

Streng war die Schulordnung 1907 an der privaten höheren Mädchenschule. Das ist 100 Jahre her. Aus der Mädchenschule wurde das Riesener-Gymnasium, das jetzt Geburtstag feiert . „Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich entkrampft. Die Jugendlichen heute haben an der Schule sogar Mitgestaltungsmöglichkeiten.“ So ähnlich steht es in einem Beitrag der Festschrift „100 Jahre Riesener-Gymnasium“.

Wir drehen die Zeit zurück, reisen ins Jahr 1907. Da war das heutige Gymnasium noch eine private höhere Mädchenschule. Mit einem streng geregelten Unterrichtsplan – und einer Schulordnung, die auch dem Privatleben der „wohlerzogenen Mädchen“ enge Grenzen setzte. So verbot die Schulordnung zum Beispiel den „Besuch von Bällen, von Wirtshäusern, Konditoreien, Kaffeehäusern, Theatern, Kinematographen-Theatern und dergleichen, ohne Begleitung der Eltern oder ihrer Schulvertreter“. Kein Gedanke an Schülermitverwaltung, AGs oder gar Feten in der Penne! Aber immerhin: Mit Gründung der „Höheren Mädchenschule“ im Jahr 1907 in Gladbeck entfiel für die jungen Gladbecker Damen immerhin der weite Schulweg. Die nächste Mädchenschule war damals nämlich in Dorsten. Tagtäglich mussten die Gladbecker Schülerinnen mit der Eisenbahn zum Unterricht in die Nachbarstadt zuckeln. Das hatte nun ein Ende: „Am 23. März 1907 erhielt die Oberlehrerin Aloysia Küppers den Erlaubnisschein für die Leitung des späteren Riesener-Gymnasiums“, erfährt man beim Lesen der Festschrift zum 100-Jährigen.

Doch die junge Lehranstalt steuerte unruhigen Zeiten entgegen: Der Erste Weltkrieg, die Wirren der Weimarer Republik, der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg. Der Schulalltag, die politisch bedingten Änderungen des Lehrplans, die Schrecken des Krieges, das alles hinterließ Spuren. Am 24. März 1945 schließlich wurde das Gebäude der Schule in der Viktoriastraße bei einem Bombenangriff komplett zerstört.

Doch man wagte einen Neuanfang: Im Dezember 1945 wurde der Antrag des damaligen Schulleiters, Joseph Kösters, auf eine Wiedereröffnung der Schule bewilligt. Man rückte enger zusammen: der Unterricht fand vorübergehend in einem Flügel der Lambertischule statt.

Dann endlich: 1956 zog das Gymnasium in das neu errichtet jetzige Hauptgebäude an der Schützenstraße um. Moderne Fachräume, eine gemütliche Küche mit Essraum und Parkettfußböden in den Klassenräumen! So viel Luxus wurde mit einem bunten Einweihungstag gefeiert. Und bereits im Jahr 1961 war die Schulgemeinde auf die stolze Zahl von 407 Schülerinnen angewachsen. Noch ein wichtiges Datum: am 5. November 1973 wurde die Koedukation eingeführt. Die Jungs eroberten das “ Mädchen-Gymnasium“, das diesen Namen ja nun nicht mehr führen konnte und fortan zum “ Riesener-Gymnasium“ wurde. Wichtige Neu- und Umbauten (das „Aquarium“, der Pausenhof, die Sporthalle) folgten. Und: Die Modernisierung war nicht nur eine bauliche! So dass 100 Jahre nach Schulgründung Pädagogen, Schüler und Eltern jetzt „ganz entkrampft“ den Geburtstag feiern können.

Von Katrin Walger-Stolle