Schrecksekunden

WAZ 18.04.2008
„Achtung Auto“ heißt ein ADAC-Sicherheitstraining, das das Riesener-Gymnasium Jahr für Jahr für die Fünftklässler anbietet – zur Sicherheit

 Programm
 Foto: WAZ

50, 14, 24. Man kann die Zahlen einfach an die Tafel schreiben. Das beeindruckt aber nicht wirklich. Da ist es doch viel aufregender, wenn Ralf Helmer mit seinem Auto eine Vollbremsung hinlegt. Fährt er genau 50 und geht dann in die Eisen, dann kommt der Wagen erst nach 24 Metern zum Stehen. „Die ersten 14 Meter gehen für die Schrecksekunde drauf, dann hat das Auto immer noch 50 auf dem Tacho“. erklärt der ADAC-Moderator den sichtlich beeindruckten Riesener-Gymnasiasten.
Seit Jahren schon steht die Verkehrserziehung für die Schüler der fünften Klassen des Gymnasiums auf dem Unterrichtsplan. Ein Beitrag dazu ist auch das Programm „Achtung Auto“, das die Schule immer gemeinsam mit dem ADAC an der Bohmertstraße im Wittringer Wald anbietet. Kritische Situationen im Straßenverkehr aufzeigen, das ist das Anliegen von Ralf Helmer. Kinder in dem Alter, sagt der ADAC-Mann, haben noch kein wirkliches Gefühl für Entfernungen. Also lässt Helmer die Zehn- und Elf-Jährigen Bremswege schätzen. Rot-weiße Hütchen markieren die Stellen, an denen nach Meinung der Fünftklässler der Wagen stoppen wird.
Danach dürfen die Schüler sogar im Auto mitfahren und – gut und richtig angeschnallt – am eigenen Leib erfahren, wie sich so eine Vollbremsung anfühlt. „Super heftig ist das“, urteilen die drei Jungs, die gerade sehr beeindruckt aus dem Auto klettern.
Zum Glück gab es in den letzten Jahren kaum Schulwegunfälle, an denen Jungen und Mädchen vom Riesener Gymnasium beteiligt waren. „Das reicht aber nicht“, sagt Lehrer Jürgen Polesnik. Der Leiter der Erprobungsstufe steckt viel Energie in dieses Thema. So lädt er z. B. die Eltern der Fünftklässler Jahr für Jahr in die Schule ein, bittet sie unter anderem, gefährliche Ecken in ihrem Stadtteil zu nennen. Die Infos gibt er dann an die Polizei weiter.
Außerdem organisiert er Radtouren zum Thema und übt mit den Kids das verkehrssichere Verhalten im Bus.
Und auch das „Achtung Auto“-Programm ist nicht auf den einen Tag im Wittringer Wald beschränkt. In einem Test sollen die Schülerinnen und Schüler in einigen Tagen zeigen, was sie alles gelernt haben über die Gefahren im Straßenverkehr. Noten gibt es dafür nicht. Aber bei so einer wichtigen Sache will Polesnik lieber auf Nummer sicher gehen.