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Riesener-Schüler wagen Kunst

WAZ 01.10.2012

Nach zwei Tagen School-Art präsentieren die Schüler des Riesener Gymnasiums in Gladbeck die Ergebnisse ihrer Projekte. Zu sehen: Theater, Musik, Tanz und Lesungen auf der Bühne. In den Gängen und Klassenzimmer stellten die Schüler Werke aus den anderen Kursen aus: Gemälde, Skulpturen, Graffitis, Gefilztes, Fotos und vieles mehr.

 

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School Art am Riesener Gymnasium Theater Gruppe : Romeo und Julia Foto: Hedermann/WAZFotoPool Foto: Hedermann

Lukas kann sich kaum lösen. Zwei Tage hat er unter Anleitung von Maurizio Bet (28) Wörter in sprechende Bilder verwandelt. „Graffiti – Kunst aus der Dose“ lautete der Name des Kurses, den Lukas (15) beim School-Art-Projekt am Riesener-Gymnasium belegt hat. Ein Kurs mit Nachwirkung. Die Teilnehmer haben Spuren hinterlassen – „Back to School“ prangt nun in großen, bunten Lettern an der Wand von Klassenraum 004.

 Und auch der Workshop wirkt nach. Lukas hat endlich einen Künstlernamen. „Crusoe“ will er sich fortan nennen, wie der berühmte Robinson. „Ich habe lange gesucht, was es noch nicht gab“, erklärt er. Den entscheidenden Tipp habe Dozent Bet gegeben, der seine Graffiti mit „Antei Ichi“ signiert. „Dann bin ich jetzt der Weltentdecker“, sagt Lukas strahlend.

41 Kurse
41 Kurse haben an zwei Projekttagen stattgefunden. Entsprechend umfangreich ist die Präsentation der Ergebnisse, die Flure und Klassenzimmer des Riesener sind die Ausstellungsfläche. Fotos, Texte, bunte Steine, Skulpturen, Gemälde, Filzarbeiten, Schmuck – alles anzusehen dauert Stunden.

„Es ist alles ein bisschen improvisiert“, sagt Schulleiten Michael Nieswandt. Er ist beeindruckt vom Engagement seiner Schüler. „Was die in zwei Tagen auf die Beine gestellt haben, ist toll.“ Das Ergebnis zeige auch, dass der Veranstalter Wortrausch gute Dozenten ausgewählt habe, „die das Selbstbewusstsein der Schüler fördern“.

Romeo und Julia
Auf der Bühne zeigen die Teilnehmer aus den sportlichen und darstellerischen Bereichen ihre Ergebnisse. Zum Beispiel dies: Romeo und Julia, erzählt in drei Akten und zehn Minuten. Wie da die Montagues und die Capulets aufeinander treffen, wie sich die Sprösslinge der verfeindeten Familien verlieben, und das tragische Ende dieser großen Liebe – bei aller Verdichtung des Shakespeare’schen Stoffs ist die Geschichte gut dargestellt, ohne Text, mit reiner Körpersprache.

Es ist mutig, sich vor den Mitschülern auf der Bühne zu präsentieren. Besonders viel Mut beweist eine Schülerin aus dem Kurs „Sing a Song“. Allein mit ihrer Gitarre steht sie auf der Bühne. Und ihr passiert das Schlimmste, was einem Künstler passieren kann. „Am Ende hatte sie wohl einen Blackout“, sagt Schulleiter Nieswandt.

Breakdance-Trainer Fatih Alan schaltet in dieser Situation schnell. Er nimmt das Mikrofon und fordert das Publikum auf, respektvoll mit dem Mädchen umzugehen: „In ihrem Alter hätte ich mich gar nicht erst auf die Bühne getraut“. Vielleicht ist dies der Kern der Projekttage. Etwas neues versuchen. Anderen das Ergebnis zu zeigen. Und: Zu respektieren und anzuerkennen, was andere geschafft haben, auch wenn es nicht perfekt ist.

Nina Estermann