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Rechnen für mehr Sicherheit auf der Straße

WAZ 03.07.2013

Die Schüler der 5c des Riesener-Gymnasiums in Gladbeck lernen beim Aktionstag „Achtung Auto“ des ADAC,wie lange es dauern kann, bis ein Auto im Notfall zum Stehen kommt.

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Ralf Helmer vom ADAC (links) erklärt den Schülern, wie lange es dauert, bis ein Auto bremsen kann.  Foto: Gerhard Schypulla

 Ralf Helmer gibt Gas. Das Auto beschleunigt, die weiße Linie kommt immer näher. Die Kinder am Straßenrand holen tief Luft. Als das Auto die Linie erreicht, brüllen sie: „Reagieren! Bremsen!“ Helmer geht in die Eisen. Reifen quietschen, dann steht der Opel.

Acht Meter liegen nun zwischen der Linie und dem Wagen. Das können die Fünftklässler des Riesener-Gymnasiums an den Markierungen auf dem Pflaster ablesen. Kurz vorher hatten sie bereits ausgerechnet, wie lang der Bremsweg sein würde. Wie das geht, hat ihnen Ralf Helmer beigebracht, der Mann vom ADAC.

Speziell für Schüler der 5. Klassen hat der Automobilclub das Programm „Achtung Auto“ entwickelt. An einem Vormittag sollen die Kinder lernen, kritische Situationen im Straßenverkehr einzuschätzen, Unfallgefahren zu erkennen, vorausschauend zu handeln. Für die Riesener-Schüler ist Parkplatz an der Bohmertstraße für einen Tag ein Verkehrsübungsplatz.

Spielerischer Aufbau Ralf Helmer ist der richtige Mann, ihnen das zu vermitteln. Ständig in Bewegung, bringt er die Kinder zum Rechnen, ruft sie zwischendurch zur Ordnung – gar nicht so leicht bei einem Haufen Zehn- und Elfjähriger. „Ich finde es schön, dass er das so spielerisch aufbaut“, sagt Gaby Stockem, Klassenlehrerin der 5c. Gerade hat Helmer erklärt, wie der Bremsweg berechnet werden kann. Dazu müssen die Kinder erst einmal ausrechnen, wie viel Strecke ein Auto bei welcher Geschwindigkeit zurücklegt – pro Sekunde. „Eine Stunde hat wie viele Sekunden“, fragt er. Fragende Blicke, fieberhaftes Grübeln, „3600!“ ruft Anastasia (11). Weitere Rechenschritte folgen, bis das Ergebnis feststeht: „Merken“, ruft der Mann vom ADAC, „14 Meter in jeder Sekunde fährt ein Auto bei 50 km/h“. Und bis der Fahrer reagiert, rollt das Auto in diesem Tempo weiter, auch, wenn ein Kind auf die Fahrbahn läuft. Das ist der Reaktionsweg, der Vorläufer des Bremswegs.

„Wie lange braucht der Fuß vom gas auf die Bremse“, fragt Helmer, und die Kinder staunen nicht schlecht, als sie zu dem Schluss kommen, dass es eine Sekunde dauern könnte. Also 14 Meter. Oder länger – wenn der Fahrer gerade abgelenkt ist. Und das gilt nicht nur für Autofahrer. „Mancher hat schon so lange nach hinten geguckt, dass er mit dem Fahrrad vor einen Baum geknallt ist“, sagt Helmer. Die Kinder lachen. Haben sie schon mal irgendwo gehört.

Reagieren! Bremsen! Damit es nicht nur beim Rechnen bleibt, steigt Helmer ins Auto. Vorher sollen die Schüler, wie bei der Kindersendung „1,2 oder drei“, schätzen, wo das Auto zum Stehen kommen wird. Auf den Markierungen stellen sie kleine Pylonen ab.

„Reagieren! Bremsen!“, werden sie dem Fahrer zurufen, wenn er die gemalte Linie erreicht, gespannt sehen sie, wie er eine Vollbremsung vollführt. Die Rechnungen gehen auf. Acht Meter bei 30 km/h, mit etwas mehr Gas und 50 km/h steht der Wagen nach 14 Metern. In Mathe werden sie solche Funktionen erst in der achten Klasse durchnehmen. Auf der Straße kann ihnen das Wissen um Geschwindigkeiten schon heute das Leben retten.

Nina Estermann