Mathe-Muffel für Zahlen begeistern

15.03.2016 | 05:34 Uhr

„Ihr seid jetzt Münsters Stadträte: Ein neuer Spielplatz soll in einem Park gebaut werden, mit der Voraussetzung, dass er über die vier Eingangstore von allen Seiten gleichschnell erreichbar ist. Macht einen Vorschlag, wo der Spielplatz am besten gebaut werden sollte, indem ihr den gesuchten Ort mathematisch modelliert.“ So lautet eine Aufgabe, die die zwanzig Neuntklässler um Jürgen Polesnik (61) im Unterricht lösen müssen. Lebensnaher Unterricht statt trockener Theorie, denn der Mathelehrer hat seine Riesener-Schüler für ein Forschungsprojekt der Uni Münster angemeldet.

Innerhalb des Projekts wollen die beteiligten Wissenschaftler herausfinden, ob Schüler entweder klassisch mit Zirkel und Geodreieck, anhand eines strategischen Lösungsplans oder mithilfe des Computerprogramms GeoGebra mathematische Probleme besser verstehen und lösen können. „Der Begriff GeoGebra setzt sich zusammen aus den mathematischen Begriffen Geometrie und Algebra“, erklärt Jürgen Polesnik. Er arbeitet im Unterricht schon seit Jahren mit GeoGebra und ist begeistert, weil das Programm Schülern helfe, „Zusammenhänge in Mathe besser zu verstehen“.

Zurück zur Aufgabe: Die Schüler begeben sich nach kurzer Einführung an die Computer des Informatikraums und versuchen das Problem so zu lösen, dass kein Bürger benachteiligt wird – und den Spielplatz aus allen Richtungen etwa gleichschnell erreichen kann. Das Areal in der Aufgabenstellung gibt es übrigens tatsächlich in Münster: den Wienburgpark.
Teich zuschütten

Inzwischen haben die ersten Schüler bemerkt, dass sich der berechnete Mittelpunkt in einem See im Park befindet. „Wir schütten den See einfach zu“, schlagen die ersten vor. Andere wollen einen (Unter-)Wasserspielplatz bauen. Wiederum andere fangen an, die Wege im Park kleinschrittig auszumessen. „Mir gefällt das viel besser als normaler Matheunterricht“, meint Schülerin Mascha Linke (14). Auch Sitznachbarin Ronja Stanglow (13) ist begeistert: „Das Programm macht vieles für einen“.

Stephanie Hülsebus vom LiMO-Forschungsprojekt berichtet: „Leistungsschwache Matheschüler kommen mit der Lernmethode GeoGebra ziemlich gut klar, weil sie damit kreativer nach Lösungswegen suchen als leistungsstarke Schüler.“

Am Ende der Stunde stellen einzelne Schüler den Lösungsansatz vor, den sie im Stadtrat präsentieren würden – doch einen idealen Standort für den Spielplatz gibt es im Park tatsächlich nicht.

Lena Gerbig

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