Die Physiker 1

Lustlose Agenten

Gleich vier Theaterpremieren feierte das Riesener-Gymnasium in den letzten Wochen! Der DS-Kurs der Jahrgangsstufe 8 eröffnete den Reigen am 10. Juni in der Stadtbücherei mit „WTF?!“ (für SMS-Abstinenzler: „What the fuck…“), einer quirlig-sarkastischen Szenenfolge zum Thema „Pleiten, Pech und Pannen“, dem Medien-Dauerbrenner des Krisenjahres 2010.

Die Kurse der Stufen 9 und 10 nahmen den 20. Todestag Friedrich Dürrenmatts zum Anlass, tatkräftig zu überprüfen, inwieweit sich aus den schwarzen Komödien des Schweizer Bestsellerautors auch heute noch Funken schlagen lassen – kein ganz leichtes Unterfangen; schließlich ist es das flache, penetrante Moralisieren, das diesen Schriftsteller für manchen Deutschlehrer noch immer ergiebig, für die restliche Menschheit aber längst unerträglich macht. Der Versuch jedoch gelang, und zwar auf unterschiedliche Weise: Während die von Stefan Malzahn geleitete Gruppe den „Besuch der alten Dame“ ganz auf die zentrale Konstellation, das Verhältnis zwischen Claire Zachanassian und den Güllener Spießbürgern, zuspitzte, näherte sich die Stufe 10 der politisch-weltanschaulichen Parabel „Die Physiker“, indem sie sich vom Stück distanzierte und mit Mitteln der Dekonstruktion arbeitete: Mehr als die Hälfte des Textes wurde gestrichen, der Plot mit Slapstick, Songs, Kommentaren und absurden, teils auch antikisierenden Arabesken angereichert, so dass sich für die Zuschauer völlig neuartige Evidenzen ergaben.

Es dürfte ein Zufall gewesen sein, aber auch der Literaturkurs der Oberstufe griff diesmal auf die tragikomische Grundierung der comédie humaine zurück: Ödön von Horváths Volksstück „Kasimir und Karoline“, entstanden im Krisenjahr 1931, erzählt vom Auseinanderbrechen der Liebe einer kleinen Angestellten zu einem arbeitslos gewordenen Chauffeur, weil das Mädchen nicht von der Hoffnung auf einen Herrn aus den „besseren Kreisen“ lassen kann. Der Kurs verleugnete nicht das rustikale Oktoberfest-Milieu, in dem die Geschichte angesiedelt ist, setzte aber auch mit modernen theatralen Mitteln wie Videoprojektionen sowie mit Anspielungen auf die Gegenwart ganz eigene Akzente, sodass der Theatermarathon am 7. Juli auch mit einer gelungenen Aufführung zu Ende ging. Und wir gespannt sein dürfen, was uns die Theaterkurse im nächsten Schuljahr so alles zeigen werden…

 

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Stark stilisiert: Dürrenmatts „Physiker“ in einer Aufführung des DS-Kurses der Stufe 10