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Lampenfieber

Lag es nun am stärkeren Aktionsgehalt der Handlung oder an der unerhörten Plastizität des szenischen Dialogs? Vor die Wahl gestellt, mit Lessings „Nathan“ ein Drama der Aufklärung oder mit Schillers „Räubern“ ein Drama des Sturm und Drang einzustudieren, hat sich der DS-Kurs 10 jedenfalls für das Stück des späteren Weimarer Klassikers entschieden – und damit selbst eine harte Nuss zu knacken gegeben:

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Fünfter Akt: Franz von Moor und Patsor Moser im rhetorischen Duell

Zunächst war die fragile Dialektik von Freiheit und Ordnung als zeitunspezifisches Grundelement des Themas herauszuarbeiten, dann musste die im Original gut fünfstündige Vorlage gekürzt und für jede der zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren eine unverwechselbare Individualität im Auftreten wie im Kostüm entwickelt werden, dann schließlich waren Choreographien, Bewegungsabläufe und wüst-genialische, mitunter sehr deklamatorische Texte einzuüben, zu bearbeiten und aufeinander abzustimmen, damit die Aufführungen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus – nach nur einem Probentag vor Ort – reibungslos über die Bühne gehen konnte.   
Am Ende gab es zwar keine Weinkrämpfe und Ohnmachtsanfälle im Publikum wie bei der Mannheimer Uraufführung 1782, aber doch starken Applaus für die erstaunlichen Einzelleistungen der Darsteller – und für eine Ensembleleistung, die weit über das hinausging, was man von Schülern einer 10. Klasse erwarten kann.