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Knecht Ruprecht heißt hier Zwarte Piet: Das Riesener-Gymnasium hat in Enschede eine neue Partnerschule

„Die heizen hier viel weniger als wir, es ist viel kühler in den Häusern!“ Alina zeigt sich überrascht, und auch Saskia wundert sich: „Meine Füße gucken nachts raus, warum haben die hier so kurze Betten?“

Dabei sind doch die Niederländer das statistisch größte Volk der Welt! Offenbar reicht es, die deutsche Westgrenze ein paar Kilometer hinter sich zu lassen, um in einen völlig anderen Kulturkreis einzutauchen. Dass Enschede in der niederländischen Provinz Overijssel liegt und aus einer niederdeutschen Handelsniederlassung hervorgegangen ist, hat man sicher noch gewusst, vielleicht auch, dass es die Jenaer Trainerlegende Hans Meyer war, der den bekannten Fußballclub in den Neunzigerjahren wieder auf Vordermann brachte. Aber dass der Knecht Ruprecht hier Zwarte Piet heißt, gleichwohl aus Spanien kommt und den Weg durch den Kamin bevorzugt?
Insofern war es wirklich Neuland, das die 38 Schülerinnen und Schüler des Riesener-Gymnasiums betraten, als sie sich im November 2011 über die holländische Grenze aufmachten. Betreut wurden sie in Gastfamilien, und an der neuen Partnerschule, dem Het Stedelijk Lyceum, hatte man ein Programm organisiert, das ganz den Vorstellungen der Gäste entsprach: Nicht nur am englischsprachigen Unterricht und an originellen Projekten haben sie teilgenommen, sondern auch die Geschichte der Region (und ein perfekt ausgebautes Radwegenetz!) kennen gelernt, dazu, wie es sich eben ergibt, so manche Freundschaft geschlossen. Und genau so sollte es auch sein, denn Barbara Conzen und Christina Marold, die begleitenden Lehrerinnen, wissen genau, dass interkulturelles Lernen über persönliche Kontakte allemal am besten funktioniert. Aufgefallen ist auch ihnen so manches, zum Beispiel dass die Disziplin der niederländischen Schüler durchaus schlechter ist als am Riesener-Gymnasium, die Englischkenntnisse in der Breite aber deutlich besser sind als in Deutschland; auch im Lehrerzimmer unterhält man sich in englischer Sprache. Eigentlich kein Wunder: Das Het Stedelijk Lyceum hat einen sehr ausdifferenzierten bilingualen Zweig, in dem sechs Fächer auf Englisch unterrichtet werden. So war es denn auch für die „Riesener“-Delegation kein Problem, sich mit den freundlichen Gastfamilien problemlos zu verständigen.
Der Gegenbesuch der Niederländer ist für April 2012 vorgesehen. Der Einfall, ein gemeinsames Projekt zur regionalen Industriegeschichte zu starten, ist nur eine von mehreren Ideen, wie man die neue Partnerschaft vertiefen könnte. Diese Partnerschaft ist nicht die einzige des Riesener-Gymnasiums – und vielleicht ein weiterer Baustein auf dem Weg zum Gütesiegel „Europaschule“.

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Das Het Stedelijk Lyceum

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Für manche ungewohnt: Zur Schule wird grundsätzlich mit dem Rad gefahren

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Deutsch-holländische Partnerschaft: Beim Maskenbasteln klappt sie schon gut…

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…und das Resultat kann sich sehen lassen