USA-Austausch

„It feels really nice here“

WAZ 22.07.2010

Sie sind mehr als 8000 Kilometer gereist, um nach Gladbeck zu kommen. Über zwei Wochen waren amerikanische Austauschschüler aus Seattle in der Stadt und bei Schülern des Riesener-Gymnasiums zu Gast.

USA-Austausch

Bürgermeister Ulrich Roland begrüßte eine Schülergruppe aus Seattle, die zwei Wochen in Gladbeck und Deutschland verbrachte. Foto: Franz Meinert

„Die Sprachbarriere war am Anfang schon ziemlich hart“, erklärt Bobby Rollins. Doch mit der Zeit klappte es immer besser. „Es ist etwas anderes, sich mit jemandem zu unterhalten oder Unterricht in der Schule zu haben“, stellt er fest. In der Regel gab es nur wenige Verständnisprobleme für alle Beteiligten, lediglich in der Aussprache haperte es das eine oder andere Mal.

Ein paar Vokabeln bleiben den jungen US-Amerikanern jedoch in besonderer Erinnerung. Wörter wie Bürgersteig, Straßenlaterne oder Bushaltestelle stellten die Zungen der Gäste auf die Probe. Der lustigste Verständnisfehler war wohl, als sie einen Film gucken wollten und dies mit „Kochen“ verwechselten. „Gucken und Cooking im Englischen hören sich ziemlich gleich an“, erklärt Chantelle Troutman-Watson grinsend.

Nach ihrem Aufenthalt hat sich das Bild der Amerikaner über Deutschland mächtig geändert. „Wenn wir vorher an Deutschland gedacht haben, hatten wir nur Bayern im Kopf. Dazu Bier und Wurst“, erinnert sich Abbie Grimstad. „Aber jetzt wissen wir, dass Deutschland nicht nur Bayern ist. Yes, it feels really nice here in Gladbeck“, erläutert Bobby Rollins.

In ihrer Zeit in Deutschland haben die Gäste aus Amerika viel gesehen von Gladbeck und Umgebung. Die Leitung und Koordinierung des Austausches übernahmen Barbara Conzen und Sven Lutzka. So stand ein Ausflug nach Köln auf dem Programm, der den amerikanischen Schülern besonders im Kopf blieb. „Diese alte Kirche, der Kölner Dom, war wirklich beeindruckend“, meint Bobby Rollins im Rückblick.

Und wenn man schon so nah an der holländischen Grenze ist, kann man den Nachbarn auch mal einen Besuch abstatten. „Wir haben da so etwas gegessen.“ Und dann muss Abbie Grimstad doch noch einmal fragen. „Kibbeling haben wir gegessen, Kibbeling hieß das.“ Auch ein Besuch in der Hauptstadt Berlin stand auf dem Plan. So besuchte die Gruppe den Deutschen Bundestag, bevor es zum Halbfinalspiel der deutschen Jungs auf die Fanmeile ging.

„So etwas kennen wir von zuhause nicht“, berichtet Chantelle Troutman-Watson. „Wir sind bei uns eher Fan der Staaten und nicht des Landes“, erklärt sie. Mit Fußball haben sie generell wenig am Hut, aber ihre Begeisterung für die wohl schönste Nebensache der Welt stieg von Spiel zu Spiel. So schauten sich die jungen Amerikaner die anderen Begegnungen alle in der Stadthalle an und fieberten mit den deutschen Fans mit. „Es war wirklich verrückt, wie nach dem Sieg die Menschen alle gehupt haben“, wunderte sich Abbie Grimstad.

Und auch wenn die Tage wie im Flug vergingen, war es doch richtig anstrengend. „Es ist so heiß hier“, sind sich alle Amerikaner einig. „Von Zuhause kennen wir nur Regen und nicht so hohe Temperaturen“, erklärt Bobby Rollins.

Es sind die Kleinigkeiten, die den Amerikanern in Erinnerung bleiben. „Das Brot hier schmeckt besser“, sagt Chantelle Troutman-Watson lächelnd, die sich als Erinnerung noch ganz viele Gummibärchen einsteckt.

Beim Abschied am Flughafen fließen dann die Tränen in Strömen. Die schöne, aber auch anstrengende Zeit ist nun vorbei. „Wir bleiben in Kontakt“, versprechen sich die Austauschpaare, ehe es in einem mehr als zehnstündigen Flug Richtung Heimat geht.