Facetten der Schäbigkeit

Bei den Aufführungen unserer Theaterkurse ging es in diesem Jahr eher provozierend als vergnüglich zu.

„Gladbeck unterm Hakenkreuz“ hieß ein aufwändiges Theaterprojekt des Stadtarchivs in Kooperation mit dem Schauspieler Marco Spohr und dem Ratsgymnasium, das auf Quellenbasis Einzelschicksale und Verhaltensweisen bestimmter Gladbecker Bürgerinnen und Bürger während der NS-Zeit rekonstruierte und hier v. a. deshalb gewürdigt werden soll, weil auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Riesener-Gymnasiums zum Gelingen des ebenso anspruchsvollen wie triftigen Vorhabens beigetragen haben. Herzlichen Dank dafür!
Aber auch das, was die Theatergruppen unserer Schule ihrem Publikum in diesem Frühsommer zu bieten hatten, konnte sich sehen lassen. In den Aufführungen unserer DS-Kurse wurden in erster Linie die Sorgen und Nöte, aber auch die Infamien von Teenagern thematisiert, allerdings war die Herangehensweise jeweils eine andere: Arbeitete die Stufe 8 in ihrer szenischen Collage hauptsächlich mit Motiven der Populärkultur einschließlich moderner Märchen, so rückte die Stufe 9 mit dem Jugenddrama „Stürzende Engel“ Hass, Neid, Eifersucht und Lebenslügen auf eine Weise ins Zentrum der theatralen Vivisektion, die stark an Laclos‘ „Gefährliche Liebschaften“ (bzw. an zeitgenössischen Adaptionen des nihilistischen Briefromans) erinnerte. – Ebenfalls eher düster bis makaber als gefällig war auch die Anordnung von – eingebildeten und realen – Bedrohungsszenarien, die der Literaturkurs der Oberstufe den Zuschauern zumutete. „German Angst“ kombinierte dokumentarisches Material mit avantgardistischer Lyrik und literarischen Alpträumen, sodass sich ein surreales, gleichwohl authentisches (und insofern beklemmendes) Panorama augenblicklicher deutscher Bewusstseinslagen ergab.

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Alle Kurse griffen für ihre Diagnosen stark auf Mittel des Kammerspiels zurück