Die Geschichte des Riesener-Gymnasiums in Gladbeck

Die frühen Jahre (1907-1932)

Die Geschichte des Städtischen Riesener-Gymnasiums ist bis zu seiner Gründung als Höhere Mädchenschule im Jahre 1907 zurückzuverfolgen. Der Hauptgrund für deren Einrichtung war die weite Entfernung anderer Schulen mit ähnlichem Profil, so mussten die Gladbecker Schülerinnen vorher täglich mit der Eisenbahn bis Dorsten fahren. Am 23. März 1907 erhielt die Oberlehrerin Aloysia Küppers den Erlaubnisschein für die Leitung des späteren Riesener-Gymnasiums. An der Finanzierung der Schule beteiligten sich einige wohlhabende Gladbecker Bürger, unter anderem auch der Uhrmacher Anton Hahne. Für einen Zuschuss zum Schulgeld von zunächst 50 Mark pro Jahr war allerdings die Gemeinde zuständig. Die Lehrkräfte der Mädchenschule sollten ursprünglich aus Gladbeck stammen, da die Ortschaft aber nicht so viele Lehrer hervorbringen konnte, unterrichteten anfangs auch Geistliche an der Schule.

Trotz einiger formaler Probleme konnte die Schule am 17. April 1907 mit einem Hochamt in der katholischen Pfarrkirche eröffnet werden. Zunächst firmierte sie alsprivate Höhere Mädchenschule, die erst in den Jahren 1913/14 zu einer „siebenklassigen Vollanstalt“ ausgebaut wurde. Wesentlich beteiligt an dieser Aufwertung war der vormalige Seminardirektor Dr. Joseph Kösters, der nun auch die Leitung der Schule übernahm. Zu Ostern 1915, kurz vor dem Umzug aus der Lambertischule in ein fast neues Gebäude zwischen Gustav- und Viktoriastraße, verließen die ersten Mädchen mit dem Abschlusszeugnis des Lyzeums die Schule. Geprägt wurde diese Zeit jedoch auch durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, da die Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebs durch die zunehmende Brennstoffknappheit und zeitweilige Einquartierungen erschwert wurde. Trotz allem ging das Schulleben stetig weiter.

Unter dem Hakenkreuz (1933-1945)

Die nationalsozialistische Diktatur und der Zweite Weltkrieg sind auch an dieser Schule nicht spurlos vorübergegangen. Am 20. Januar 1939 wurde das frühere Lyzeum nach dem Lieblingskomponisten Hitlers getauft; offiziell hieß es nun „Richard-Wagner-Schule. Oberschule für Mädchen, sprachliche Form“. Wie hoch man die Gefahr eines neuen Krieges schon Jahre vor dem Ausbruch einschätzte, zeigte die Tatsache, dass 1936 in der Schule ein Luftschutzraum eingerichtet wurde. Zwei Monate nach Ausbruch des Krieges griff dieser dann auch gravierend in das Schulleben ein. Die gesamte Schule wurde zum Kriegseinsatz verpflichtet, der jedoch vornehmlich aus dem Sammeln von Materialien und der Erntehilfe während der Ferien bestand. Die Schülerinnen der Klassen VI und VII halfen zudem kinderreichen Familien des Paderborner Landes und in Erntekindergärten Pommerns, arbeiteten aber auch in einer lippischen Munitionsfabrik.

Im späteren Verlauf des Krieges schuf man die Möglichkeit einer freiwilligen Kinderlandverschickung, aus der sich dann die Zwangsevakuierung der Unter- und Mittelstufenklassen entwickelte. Währenddessen war die Situation in Gladbeck immer misslicher geworden. Wegen einer Belegung der Turmhalle fand der Sportunterricht bereits seit 1939 im Klassenraum statt. Bei Fliegeralarm musste der Luftschutzraum aufgesucht werden, und wenn es erst nach Mitternacht Entwarnung gab, fielen für die Mädchen am nächsten Tag die ersten Stunden aus. Die fortwährenden Luftangriffe, denen auch fünf Schülerinnen zum Opfer fielen, beschädigten das Schulgebäude, mehr aber noch das Rathaus, so dass Ende 1944 ein Teil der Stadtverwaltung in der Oberschule untergebracht werden musste. Die letzte Abiturprüfung vor Kriegsende nahm Kösters am 3. März 1945 während eines Fliegerangriffes im Luftschutzkeller ab. Am 24. März wurde das Gebäude in der Viktoriastraße durch einen Bombenangriff völlig zerstört.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder (1946-1968)

Aus der „Richard-Wagner-Schule“ wurde wieder eine „Oberschule für Mädchen“. Nach einer Genehmigung seines Antrags auf Wiedereröffnung der Schule hatte sich Kösters am 18. Dezember 1945 in den Ruhestand versetzen lassen. Die Ära seiner Nachfolgerin Margarete Strotmann, die die Schule bis 1966 leitete, begann vier Tage später mit einem Weihnachtssingen in der Turnhalle der Aloysiusschule. Nach einer allgemeinen Bestandsaufnahme am 31. Januar 1946 auf dem Schulhof der Lambertischule sollte der Unterricht – mit Genehmigung der britischen Miltärregierung – vom 18. März an in deren Westflügel abgehalten werden. Dort existierten allerdings nur fünf Klassenräume, weshalb die Mädchen vor- und nachmittags in Schichten unterrichtet werden mussten. Zusätzlich erschwert wurde die Situation durch den Lehrermangel der Nachkriegszeit.

Die Fünfzigerjahre am „Neusprachlichen Gymnasium“ lassen sich als Zeit der Normalisierung betrachten, in der man an die Tradition der Vorkriegszeit anknüpfte. In diesen Zeitraum fällt auch die zeitweilige Angliederung einer „Fachoberschule musisch-werklicher Bildung“. Am 21. März 1956 zog unter großer öffentlicher Beachtung das Gymnasium in das neu errichtete jetzige Hauptgebäude um. Es verwundert daher nicht, dass im Schuljahr 1957/58 der für die damalige Zeit enorme Zuwachs von 73 Schülerinnen zu verbuchen war.

Der Weg in die Gegenwart (seit 1968)

Mit der Enttypisierung der Gymnasien im Zuge der Oberstufenreform der Siebzigerjahre wurde der neusprachliche Schwerpunkt an der Schule aufgehoben. Gravierender war jedoch eine andere Veränderung: Da eine gesonderte Mädchenerziehung nicht mehr zeitgemäß erschien, beschloss die Konferenz am 5. November 1973, beim Schulträger die Einführung der Koedukation zu beantragen. Auf Grund der Tatsache, dass die Schule nun nicht länger „neusprachlich“ und auch kein „Mädchengymnasium“ mehr war, musste natürlich auch ein neuer Name gefunden werden. Die Konferenz entschied sich für Johann Heinrich Riesener als Namenspatron, einen Sohn der Stadt.Die stetig wachsenden Schülerzahlen forderten zwangsläufig die Vergrößerung des Schulgebäudes.

Der wichtigste Neubau des letzten Jahre ist zweifellos der 1997 bis 1998 errichtete Trakt für die Oberstufe: ein modernes, funktionsgerechte eingerichtetes Schulgebäude, das das Gesamtbild der Schule entscheidend prägt. Gleiches gilt für die zur Jahrtausendwende errichtete Turnhalle, die auch als Austragungsort für sportliche Großereignisse abseits des Schulbetriebs fungiert. Die auch äußerlich erkennbare moderne Ausrichtung der Schule wird ebenfalls durch den neu gestalteten Pausenhof und den Neuanstrich der Korridore in den Schulfarben blau-gelb-weiß repräsentiert – eine weitere gemeinsame Aktion von Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrkräften in der Geschichte dieser Schule.

Und im Zuge der Einrichtung des Offenen Ganztags wurde das Hauptgebäude um eine moderne Mensa erweitert.