Benjamin Große Kreul hat die Lehrerfehlzeiten analysiert

WAZ, 05.11.15

Benjamin Große Kreul, Antonia Knabenschuh und Ludwig Lucas heißen die Erstplatzierten beim Sciene-Fair-Wettbewerb am Riesener-Gymnasium.

Ausgerechnet der Schüler, der sich den Vertretungsplan an seiner Schule mal genauer angesehen hat, ist der Schul-Sieger beim Science-Fair-Projekt am Riesener-Gymnasium. Benjamin Große Kreul hat mit großem Interesse die Fehlzeiten des Lehrpersonals analysiert, den Frauen- und Männeranteil daran ermittelt und alles ausführlich dokumentiert. Ob er sich mit dieser Arbeit im Lehrerkollegium nur Freunde gemacht hat, ist nicht durchgesickert. Übrigens: Nicht der Freitag oder der Montag stehen bei den Fehltagen der Pädagogen an der Spitze, wie böse Zungen oft behaupten. Am häufigsten melden Lehrer sich mittwochs krank.

Seit 2007 steht das Science-Fair-Projekt im 8. Jahrgang des Riesener-Gymnasiums auf dem Plan. Wohlgemerkt: nicht auf dem Stundenplan, denn die Jugendlichen beschäftigen sich im ersten Quartal des Schuljahres außerhalb des Unterrichts, also in ihrer Freizeit, mit ihren selbst gewählten Themen, befassen sich – mit wissenschaftlichem Anspruch – mit Fragestellungen des Alltags. Die Ergebnisse, samt ausführlicher Dokumentationsmappe und selbst gestaltetem Plakat, präsentieren und erklären sie einer Jury aus Eltern, Lehrern und Mitschülern. Und sie müssen ihre Erkenntnisse nicht selten auch gegen kritische Fragen verteidigen.

Unter den rund 100 Achtklässlern schaffte Antonia Knabenschuh den zweiten Platz in der Schulwertung mit der Bearbeitung des Themas „Wie Kinder und Jugendliche Trauer zeigen“. „Sehr mutig“ habe sie Interviews zu diesem sensiblem Thema geführt, lobte Dr. Jörg Judersleben, einer der Lehrer, die beim Science-Fair-Projekt die Jugendlichen bei der Themenwahl beraten. Auf Platz 3 landete Ludwig Lucas mit dem von ihm entwickelten Verfahren, Zwiebeln zu schneiden, ohne weinen zu müssen – eine Revolution in jeder Küche.

Die Jugendlichen beweisen Jahr für Jahr großen Einfallsreichtum bei der Wahl ihrer Themen. So hat eine Schülerin per Eigenversuch eine Woche lang ein Leben ohne Smartphone getestet – und bei der Präsentation ihrer Ergebnisse auch nicht verschwiegen, dass sie nach zwei Tagen durchaus Entzugserscheinungen verspürt hat – wie die meisten ihrer Altersgenossen, die sie zu diesem Thema befragt hat.

Ein Achtklässler ging der Frage nach, in welcher Lösung Salzkristalle am besten wachsen, ein anderer fand heraus, wie Flüchtlinge in seiner Heimatstadt Bottrop von der Bevölkerung wahrgenommen werden. „Liegt die Schönheit im Auge des Betrachters?“, wollte eine Schülerin wissen und legte zur Beantwortung dieser Frage etlichen Leuten die Fotos von Promis und Unbekannten vor.

Bevor sie sich an die Arbeit machen, sprechen die Jugendlichen ihre Themen zwar mit einem Lehrer ab, beispielsweise um sich beraten zu lassen, ob sie ihre Ansprüche möglicherweise zu hoch geschraubt haben, „aber dann arbeiten sie sehr eigenständig“, weiß Dr. Judersleben. In seinen Augen ist der Wettbewerb auch ein gutes Training in Sachen Organisation. Judersleben: „Eine solche selbstständige Arbeit ist durchaus anspruchsvoll für 13- bis 14-Jährige.“

Elke Hautmann

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