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August 2009: Mit dem Bio-LK in Berlin

Ein Exkursions“bericht“

Die letzte gemeinsame Fahrt unserer Schulzeit. Wir hatten hohe Erwartungen an diese Exkursion, die gleichzeitig unsere Abschlussfahrt sein würde, und wir wurden nicht enttäuscht. Gemeinsam mit dem Leistungskurs Geschichte und vier wagemutigen Lehrern (Giesen, Götz, Malzahn und Poethke) bestiegen wir den Bus, der uns an unser Ziel bringen sollte: das legendenumwobene Berlin. Während unsere Zuversicht Stunde um Stunde größer und unsere Laune Stunde um Stunde besser wurde, erkannte unser Busfahrer sein Dilemma: Er war allein und wir waren viele. Seiner schlechten Laune mischte sich ein Gutteil Resignation bei und vervollständigte das Bild eines misanthropischen russischen Dienstleisters. Aber das war auch nicht verwunderlich, war doch die ganze Fahrt melodisch unterlegt. Hartnäckiges Ausbringen anspruchsvoller Parolen („Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“) und historisches Liedgut aus Herrn Malzahns Klampfe untermalten die acht Stunden und ließen auch so manchen Schüler in Richtung Nervenzusammenbruch driften. Als wir schließlich in unserer Hauptstadt einliefen, waren die hinteren Reihen (endlich) heiser und die vorderen (leider) zermürbt. Nachdem wir die lustigen Leute vom Geschichtskurs losgeworden waren, kehrte Ruhe ein und wir konnten frisch gestärkt, wenn auch auf diversen Umwegen, in Richtung Unterkunft aufbrechen.

 

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Unsere Biologen mit…

Der große Gebäudekomplex hatte seinen eigenen Charme: Chipkarten für den Aufzug, die allein nach Fortunas Willen funktionierten, 84 Treppenstufen nach oben (bis zum Frühstücksraum waren es 96), kuschelige Zimmer und zwielichtige Gestalten auf schummrig beleuchteten Fluren. Alles in allem erinnerte uns das an ein Jugendgefängnis. Folglich war die Überraschung nicht groß, als wir erfuhren, dass es wirklich mal eins gewesen war. Die Betten waren so konstruiert, dass jeder im Umkreis von einigen Meilen – oder wenigstens im Nachbarraum – das Knarzen hörte, das man verursachte, wenn man auch nur mit dem Zeh wackelte. Die Duschen wiederum stellten unsere Sportlichkeit auf eine harte Probe: Hatte man es geschafft hineinzukriechen, wurde man von rasch wechselnden Wassertemperaturen erwartet. Folglich hielt es keiner lange unter der Dusche aus und wir konnten Wasser sparen.

 

Die erste Nacht war unerträglich laut und warm, doch belohnt wurden wir mit einem unerwartet guten Frühstück. Nachdem die Lebensgeister zurückgekehrt und die wichtigsten organisatorischen Dinge geklärt waren, nutzten wir die Vorzüge Berlins und fuhren mit der S-Bahn zum berühmten Naturkundemuseum, wo wir einer Führung beiwohnten. Die Ausführungen waren interessant und informativ, die Knochen alt und die Fossilien ziemlich skurril. Schließlich wurden wir unseren Arbeitsauftrag überlassen und kämpften uns durch einen Wust an Informationen. Doch der Weg lohnte sich, denn am Ende wartete die Freiheit! Der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Viele waren danach um einige Euros ärmer und um einige Einkaufstüten reicher. Abends erwartete ein paar von uns ein besonderes Ereignis: ein Shakespeare-Stück im Monbijou-Theater an der Museumsinsel. Insgeheim hatten wir uns auf drögen Stoff eingestellt, wurden dann aber durch Witz, Komik und Akrobatik eines Besseren belehrt.

Am nächsten Tag nahmen unser Budget und der Platz in unseren Koffern beträchtlich ab. Am Abend trafen wir unsere Mitreisenden vom Geschichtskurs, um mit ihnen gemeinsam eine Kneipe zu suchen, in der alle Platz finden würden. Einige abgelaufene Schuhsohlenzentimeter später wurde uns klar, dass es eine solche Kneipe wohl nicht gibt, sodass das Kollektiv recht schnell wieder auseinander lief und der Tag in kleineren Gruppen ausklang.

Endlich kam der Tag im Zoo, den wir schon sehnlichst erwartet hatten – und das, obwohl wir wussten, das Knut alles andere als

hübsch und niedlich ist. Wir hatten eine Führung durch das Aquarium / Terrarium gebucht, abgestimmt auf einen Leistungskurs. Da der kompetente Mensch aber scheinbar bei der letzten Führung ins Krokodilbecken gefallen war, bekamen wir eine nette Ersatzführerin. Zwar war die Gute höchstens dafür ausgebildet, Grundschulklassen zu unterhalten, aber ihre Mühen waren löblich. Also ignorierten wir vertauschte Fischnamen und biologische Fettnäpfchen, in die unsere Führerin mit schlafwandlerischer Sicherheit regelmäßig trat, verhielten uns still und versuchten der guten Frau ihre Höllenqualen durch Aufmerksamkeit zu erleichtern. Als sie dann jedoch völlig den Faden verlor und einen gut sichtbaren Lungenfisch übersah, verloren wir denn doch die Geduld. Die Gruppe zog sich mehr und mehr auseinander und flanierte schließlich ungezwungen durchs Aquarium. Erst im Terrarium gewann die Führerin etwas Aufmerksamkeit zurück, als sie sich anschickte am Boden zu demonstrieren, wie ein Brachiosaurus gelaufen sein dürfte. Leider tat sie es dann doch nicht. Dabei hätte das zumindest ihre

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… und ohne Chef

Haltungsnote verbessert.

 

Auch den Samstag nutzten wir noch um Museen zu besuchen oder um den Trubel der Hauptstadt zu genießen. Am Sonntag hieß es Abschied nehmen von Berlin und ein herzliches Willkommen an unseren bärbeißigen Busfahrer richten. Dieser, diesmal nicht alleine, sondern mit einer Art Leibwächter, war tatsächlich noch schlechter gelaunt als bei unserer Anreise. Und doch war sein Verhalten possierlich. Er hatte wohl erwartet, dass wir ihm ein Paradebeispiel für schlechtes Verhalten liefern würden. Doch er sah im Rückspiegel nur müde Gesichter und schlafende Helden. Die Rückfahrt war also herrlich still und erholsam. (Übrigens durften wir unterwegs feststellen, dass diverse Pädagogen bei „Stadt, Land, Fluss“ nur sehr ungern verlieren…)  

So schnell die Fahrt gekommen war, so schnell war sie auch wieder vorbei. Verschlafen taumelten wir in die Autos unserer Eltern, die uns ein letztes Mal von einem Schulausflug abholten.

    
Lara Schilling