Aritmetico funktioniert wie in echt

WAZ 02.12.2009

Im Rahmen eines Junior-Projekts entwickeln acht Riesener-Schüler eine Beratungsfirma. Wenn Schüler eine Firma betreiben, dann machen sie das ganz professionell. So wie der Leistungskurs Sozialwissenschaften am Riesener-Gymnasium: „Aritmetico”, lautet der Name der Schülerfirma im Rahmen des Junior-Projektes unter dem Motto „Wirtschaft Live Erleben”. Der Firmenname „ stammt aus dem spanischen und bedeutet übersetzt rechnerisch”, erklärt Simon Sadowski. Was bedeutet: Das Unternehmen hat mit eben diesem Thema zu tun: Mit Rechnern und rechnen. Bis zum Ende des laufenden Schuljahres reparieren und bauen die acht Jungs Computer und helfen bei Problemen mit Windows. „Wir helfen im Alltag und bei täglichen Problemen”, berichtet Philipp Hebestreit, Vorstandsvorsitzender von „Aritmetico”.

So zumindest sieht es der Wirtschaftsplan vor, der die Firma bis zur „Marktreife führen soll.” Und damit das gelingt, gibt es auch Strukturen, wie in der Realwirtschaft. Vorstand, Finanzabteilung, Marketing, Technik und Verwaltung sind die Bereiche, mit denen sich die einzelnen Schüler beschäftigen und in denen sie versuchen, sich wichtige Schlüsselqualifikationen anzueignen. „Wir müssen Flyer herstellen, organisieren Treffen mit Zeitung und Radio”, berichtet Robert Dyhringer aus der Marketingabteilung. Auch das Finanzielle wird geregelt. „Ich habe ein Konto eingerichtet und zahle die Löhne an die Mitarbeiter aus. Auch um die Sozialabgaben kümmere ich mich”, erklärt Marius Grob aus der Finanzabteilung.

Werbung um Investoren
Echte Investoren braucht die Firma natürlich auch, und so warb das Aritmetico-Team am Tag der offenen Tür um Investoren und künftige Anteilseigner. „Ein Anteilsschein kostet zehn Euro”, erklärt Philipp Hebestreit. „Aus diesem Kapital bezahlen wir unsere Werbung und die anderen Kosten. Gelingt es uns am Ende einen Gewinn zu erzielen, werden die Anteilseigener dementsprechend wieder ausgezahlt.” Einigen Erfolg hatten die Jugendlichen bereits. Zurzeit gibt es 26 Teilhaber, die Jungs sind sich jedoch sicher, dass sie noch mehrere Anteilsscheine verkaufen können. „Das Projekt ist ja jetzt erst langsam angelaufen.”

Nach der Idee von Lehrerin Silvia Ott entschieden sich die acht Jungs, das Projekt in Eigenregie anzugehen. So wurde vorab ein Workshop in Essen besucht. „Wir hatten die Wahl zwischen zwei Projekten. Aber wir haben uns für das „Junior-Projekt” entschieden, weil es einfach so realitätsnah ist”, erklärt Marius Grob. „Es lag nahe, dass wir irgendetwas mit Computern machen. Also haben wir uns für die Computerdienstleistung und -beratung entschieden.”

Teamarbeit funktioniert
In ihrer Rolle als Vorstandsvorsitzender oder Marketingexperte fühlen sich die Schüler der Stufe 12 sichtlich wohl. Flyer werden zusammen entworfen, und der symbolische Stundenlohn von 50 Cent wird gut überlegt investiert. „Wir arbeiten im Team und das funktioniert”, sind sich die Schüler einig. „Es wäre cool, wenn es später im Beruf auch so wie bei uns ablaufen würde”, wünscht sich Philipp Hebestreit.

Genau dafür könnte die „Spielfirma” eine gute Übung sein. Ausgestattet mit der Gründungsurkunde und dem Betriebslaptop geht es einmal in der Woche in die Sitzung, um den Ablaufplan festzulegen. „Wir treffen uns jeden Montag nach der Schule, um zu entscheiden, in was genau wir investieren und welche Termine anstehen”, berichtet Robert Dyhringer. Demnächst ist auch eine Jahreshauptversammlung mit allen Mitgliedern geplant.

Steffen Bender