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Abhängigkeiten, Abstraktionen und Absurditäten

Archaisch bis grotesk ging es zu bei den diesjährigen Aufführungen unserer Theaterkurse, die erstmals alle im künftigen Musischen Zentrum einstudiert und gezeigt werden konnten.

Den Anfang machte die Stufe 9 mit einer so farbenprächtigen wie vitalen Version des „Gilgamesch“-Stoffes, der – als altbabylonisches Epos um einen frühgeschichtlichen Herrscher, der schon im 3. Jahrtausend v. Chr. als Gott verehrt wurde – zu den zentralen  präliterarischen Archetypen schlechthin gerechnet wird.
„Picknick im Walde“, (k)ein (eigentliches) Drama von Fernando Arabal, zählt zu den ganz wenigen Bühnenwerken, die von Anfang bis Ende an der Frontlinie eines (hier nicht näher spezifizierten) Krieges spielen. Freilich, ein Arabal ist kein Ernst Jünger, und so entwickelt sich das Geschehen unter Feindeinwirkung denn auch weniger heroisch-tragisch als vielmehr einigermaßen absurd, kommt es doch zu einer Vielzahl wunderlicher, auch aufreizend banaler, Begegnungen, die vom Literaturkurs der Stufe 12/Q1 pointiert herausgespielt und überdies gekonnt szenisch paraphrasiert worden sind.
Am 29. Juni schließlich zeigte der DS-Kurs 8 vor vollbesetztem Haus unter dem Titel „Strg+Alt+Entf“ seinen Kommentar zum demographischen Wandel in Deutschland; als Spielvorlagen dienten u. a. lyrische Texte von Jan Faktor, Max Goldt und Theodor Fontane, aber auch Auszüge aus Reden, Statistiken und soziologischen Aufsätzen sowie eigene Entwürfe. Die anspruchsvollen Gruppenchoreographien und das Changieren zwischen Poesie, Sarkasmus und Nüchternheit verlangten den jungen Darstellern einiges ab; und das die Aussage einzelner Szenen noch Tage später kontrovers diskutiert wurde, zeigt, dass Theater mehr sein kann als reine Unterhaltung – und hier auch mehr gewesen ist.

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Warten, aber nicht auf Godot